Feier zum amerikanischen Unabhängigkeitstag im Rahmen der Städtepartnerschaft Frankfurt-Philadelphia und zu Ehren von Zeitzeugen aus beiden Städten.

Der Keystone State Boys Choir war bei uns zu Gast: 60 Boys aus unserer Partnerstadt brachten uns ein Ständchen mit einem fulminanten Programm von Klassik bis Gospel und Broadway - am 4. Juli, dem Independence Day. Es war mehr als ein musikalischer Leckerbissen. Eine langjährige Bewohnerin bemerkte: das war das Beste, was es im Rosl-und-Paul-Arnsberg-Saal je gegeben hat.

schuelerTeil des Kinderchors mit dem musikalischen Leiter, Steven Fisher

Rabbiner Steiman übersetzte nicht nur die Ansagen des Chorleiters Steven Fisher, er moderierte richtig. Hinterher bemerkte ein Bewohner: dieser Fisher-Chor ist allemal besser als der sonst bekannte Fischer-Chor.

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Die Chorknaben rissen das Publikum mit. Es war das Abschlusskonzert zu ihrer Tournee durch Süddeutschland und Tschechien. Auf dieser Strecke kamen sie auch durch Theresienstadt und wurden von einer Zeitzeugin dabei begleitet, die heute in den USA lebt: Frau Ingrid Auerbacher, Trägerin der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg.

simonsohnauerbacherlinks Frau Simonsohn mit Frau Auerbacher

Frau Auerbacher traf in der Budge-Stiftung auf Frau Trude Simonsohn, Ehrenbürgerin der Stadt Frankfurt. Ihnen widmete der Chor dieses Konzert. Sichtlich gerührt bedankten sich auch beide in spontanen Ansprachen nach dem Konzert. Sie sprachen dem Publikum aus dem Herzen, als sie sich besonders für das „Lied für die Kinder“ bedankten, das den 15.000 Kindern gewidmet war, die in Theresienstadt waren – die wenigsten haben überlebt. Die heute 80-jährige Frau Auerbach ist eine der wenigen von ihnen. Beim Buffet für Chor und Gäste nach dem Konzert auf der Galerie vor dem Saal freute sie sich auch, in Frau Ruth Graf eine Bewohnerin aus ihrer Heimatstadt Karlsruhe getroffen zu haben. „Endlich kann ich wieder badisch schwätze“, bemerkte sie fröhlich, bevor sie mit dem Chor zum Flughafen fuhr. Davor versprach sie, sich dafür einzusetzen, diesen wunderbaren Chor wieder zu uns zu bringen. Der ebenfalls anwesende Dr. Jürgen Richter, Vorsitzende der „Frankfurt-Philadelphia-Gesellschaft“, pflichtete ihr bei. Zusammen mit seiner Frau Hannelore heftete er nach dem Konzert jedem Chorknaben eine Anstecknadel „Frankfurt-Philadelphia“ ans Revers – direkt unter der Anstecknadel „Terezin“ (Theresinestadt).

auerbacher

Die Verbindung zu Philadelphia ist die jüngste der Städtepartnerschaften, die Frankfurt zu Städten in aller Welt pflegt. Frankfurt und Philadelphia sind verbunden durch die Gemeinsamkeit, in ihren jeweiligen Ländern die Wiege der Demokratie beherbergt zu haben: in Philadelphia wurde am 4. Juli 1776 die amerikanische Unabhängigkeit verkündet; in Frankfurt tagte das erste frei gewählte deutsche Parlament im März 1848.

immanuel.linkspaulrechts

Geschichte verbindet. Aus diesem Grund waren als Ehrengäste Zeitzeugen zu diesem Festkonzert geladen: aus den USA Frau Inge Auerbacher, Trägerin der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg, von hier Frau Trude Simonsohn, erste Ehrenbürgerin der Stadt Frankfurt. Beide haben u.a. Theresienstadt überlebt. Im Publikum saßen weitere Leidensgenossen von damals, so  auch der heute 94-jährige Herr Heinz Hesdörffer. Während Frau Auerbacher aus den USA anreiste, hatten es Herr Hesdörffer  und Frau Simonsohn an diesem Abend ins Konzert nicht weit: sie sind Bewohner in der Wohnanlage der Henry und Emma Budge-Stiftung, wo jüdische und christliche Senioren gemeinsam nach der Vision des Stifterehepaares den Lebensabend zusammen unter einem gemeinsamen Dach gestalten.

partnerstadtrechts der Sprecher der Partnerstadt Frankfurt, Dr. Jürgen Richter

Die Frankfurter Eheleute Budge lebten im ausgehenden 19ten Jahrhundert lange in den USA und wurden amerikanische Staatsbürger. Wie passend, den amerikanischen Unabhängigkeitstag im Hause der Stiftung zu feiern, die sie 1920 ins Leben riefen. Viele der heutigen Bewohner wurden in den 20ern Jahren geboren – sie hatten ihre Freude an diesem Konzert und freuen sich auf das nächste. Ein Altenheim muss ja nicht langweilig sein. Im Hause Budge ist jedenfalls immer was los.